Über die Sehnsucht

Über die Sehnsucht

Ich genieße momentan die Abendsonne mit Blick auf das wunderschöne blaue Meer in Cala Fornell, einem kleinen Urlaubsort auf meiner Lieblingsinsel Mallorca. Um mich herum tobt das Leben in dem kleinen Café direkt an der Strandpromenade.

Neben mir sitzt ein älteres Paar, welches wohl schon länger eine Residenz auf der Insel hat und das seinen Lebensabend hier verbringt. Ich höre, wie die beiden liebevoll über die Insel sprechen, über ihre Erlebnisse und Erfahrungen. Und auch wie sehr sie die Stille in den Wintermonaten genießen, wenn wirklich nur Inselinteressierte Touristen hierher nach Cala Fornell kommen. Naja, und da fühle ich mich doch etwas ertappt. Ich bin ja auch eine von „den Touristen“ die sich erst im Frühjahr auf die Insel wagen, weil es dann wirklich sonnig ist. Und ich frage mich, was mich hier seit einigen Jahren immer wieder herzieht. Ist es die Sehnsucht nach dem Meer? Das haben wir ja ganz nah in Hamburg auch. Oder sind es die Sonnen und Wärme? Das haben wir beides in Hamburg leider nicht so häufig. Oder sind es die Menschen? Also weniger die Touristen, mehr die Einheimischen.

Wenn ich mich mit meinen wenigen Worten Spanisch unterhalte, dann nehme ich eine sehr große Herzlichkeit der Menschen hier wahr. Sie freuen sich und ich komme leicht ins Gespräch. Alles hat dann auch sein eigenes Tempo. Wer schon einmal in Spanien oder Mallorca war, kenn bestimmt das Wort „manana – morgen“. Morgen eben – da wird bestimmt das ein oder andere erledigt. Alles hat eben seine Zeit. Unterhalte ich mich aber mit Touristen oder Deutschen auf der Insel, nehme ich eine angestrengte Geschäftigkeit wahr. Es fühlt sich an wie ein Wettrennen. Ein Wettlauf. So als müsste alles schnell gehen, alle haben so wenig Zeit.

Gerade poltert laut eine Gruppe junger Männer herein, die schnell noch ein paar Cocktails bestellen wollen, bevor die Happy Hour vorbei ist. Auch das ist Mallorca. Jeder hat so seine eigene Sehnsucht. Was ist es aber nun wirklich, das mich immer wieder auf die Insel zieht? Ich fühle mich hier ganz einfach wohl. Jedes mal am Flughafen ist es wie nach Hause kommen. Ich atme am Meer ganz tief die salzige Luft ein und halte mein Gesicht in die Sonne. Ich spüre den warmen Sand unter meinen Füßen oder das kühle Meerwasser auf meiner Haut. Und dann weiß ich es: Ich bin angekommen. Angekommen da, wo meine Sehnsucht nach Sonne, Meer und einem langsamem Tempo gestillt wird. Hier kann ich ganz bei mir sein. Vielleicht ist es auch diese Sehnsucht. Die Sehnsucht danach, immer wieder in Ruhe bei mir selbst anzukommen. Auch wenn um mich herum immer wieder Trubel ist, kann ich doch das Rauschen des Meeres am Strand genießen. Das lässt sich auch durch die lautesten Touristengruppen nicht übertönen.

Und wie ist es nun mit deiner Sehnsucht? Nach wem oder was sehnst du dich?

 

 

 

Über Madeleine (Autorin)

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