Vom Leistungsdruck zum Leistungsglück

Vom Leistungsdruck zum Leistungsglück

So ein Sonntagmorgen ist schon etwas Schönes, oder? Du kannst ganz gemütlich solange im Bett liegen bleiben wie Du möchtest. Stehst dann ganz langsam auf und startest im Schneckentempo in den Tag.Das Frühstück wird zelebriert und jeder einzelne Bissen Deines Brötchens wird genossen. Deine Gedanken drehen sich ausschließlich darum, wann im Laufe des Tages Du deinen Schlafanzug gegen ein paar Sonntagskuschelsachen eintauschen möchtest. ODER?

Bei mir ist das nicht immer so. Schon beim Wachwerden ertappe ich mich dabei, wie meine Gedanken zu rasen beginnen. Was leider zur Folge hat, das mein Herz ebenso schnell in den Takt miteinstimmt. Was muss noch erledigt werden? ToDo Liste abarbeiten! Aufstehen! Schnell mit dem Hund raus! Eben auch schnell etwas essen. Espresso runterstürzen und ab an den Schreibtisch. Und….immer noch den Schlafanzug an. Leistungsdruck auch am Sonntag. Und ich bin nicht die Einzige. In meinen Coachings begegnen mir immer wieder Menschen, denen es ebenso geht. Sie stehen ständig unter Druck. Auch am Wochenenden. Die Erholungsphasen reichen kaum aus, um auszuschlafen und dem Körper Zeit zu geben, sich einigermaßen zu regenerieren. Das Herz rast, der Magen drückt, der Rücken schmerzt und Schlafprobleme gehören zum alltäglichen Klagelied dazu.

Aber warum das alles?

Nur um höher, weiter, schneller zu sein? Mehr Geld zu verdienen? Besser als der Kollege oder die Kollegin zu sein? Mehr Versicherungen zu verkaufen? Dem Chef zu gefallen? Dem Partner mehr zu bieten? Wir leben auf der Überholspur. Und das nicht nur in unseren Jobs. Jeder von uns kann dieses Phänomen auch am Wochenende beobachten. Mal eben schnell etwas einkaufen. Schnell die Kinder zu Freunden bringen. Schnell kochen, essen, duschen, anziehen, Eltern besuchen, Freunde besuchen,……..

Und das Herz rast weiter. Unsere Hormone spielen verrückt. Wir sind müde, erschöpft, fühlen uns leer und werden krank. Und wofür nochmal?

Was hast Du dich das letzte Mal gefragt ob Du glücklich bist? Und was Dich glücklich macht? Wie ist Dein Leben in richtig? Was treibt Dich an? Was lässt Dein Herz vor Glück und Freude schneller schlagen?

Heute bin ich ausgebrochen. Habe ein paar Gänge runtergeschaltet und die Spur gewechselt. Sitze in der Sonne auf der Terrasse und beobachte meine Dackeldame Greta, wie sie lang ausgestreckt und völlig entspannt in der Sonne liegt. Ich höre die Vögel zwitschern und genieße mein Frühstück. Nebensächlich schreibe ich diese Zeilen und hauptsächlich bin ich glücklich. Was für ein schönes Gefühl. Und sogar mein Spotify Browser schlägt mir einen super „Wochenendmix“ vor, mit passendem Spruch: „Am Wochenende darf es gern ein bisschen ruhiger sein“. Mein Herz schlägt ruhig und gleichmäßig und ich bin einfach nur da. Ich atme das Leben tief ein und lasse die Sonnen auf mein Gesicht scheinen. WOW! Trotz, dass meine Gedanken sich auf die nächste Woche vorbereiten und das Schreiben eines Blogartikels ja auch Arbeit ist,  bin ich ganz entspannt und empfinde Leistungsglück.

Im Schneckentempo. Faszinierend!

Das bedeutet für mich, ich kann beeinflussen wie ich mich fühle und wie es mir geht. Nur durch die Veränderung meiner Haltung und Verhaltensweisen. Ich entscheide, wie ich meinen Tag gestalte und welche Leistungen ich erbringen möchte. Und natürlich auch in welchem Tempo. Ich bin der Bestimmer! Und das macht mich frei. Nur so kann ich Glück empfinden. Auch Leistungsglück. Das gehört zu meinem Leben dazu. Ebenso wie zu Deinem. Wir leisten jeden Tag Besonderes, sind engagiert und machen einen guten Job. Und sind dann manchmal enttäuscht, wenn unsere Arbeit nicht entsprechend gewürdigt wird, man uns nicht wahrnimmt. Zwangsläufig strengen wir uns dann noch mehr an. Sind gefangen in einem Hamsterrad, dass wir Leben nennen und geben noch mehr Gas.

Irgendwann muss doch irgendjemanden auffallen wie leistungsstark wir sind. Oder?

Und zack….befinden wir uns wieder auf der Überholspur unserer Lebensautobahn.

Wir drehen uns im Kreis. Motivieren uns mit den falschen Dingen und haben die falschen Visionen, verfolgen die falschen Ziele. Geld, Lob, Anerkennung, Macht und Einfluss sind Dinge die wir erhoffen. Unsere Träume heben für uns für die Rente auf. Das habe ich schon so häufig gehört. Später. Später reise ich. Besuche meine Freunde in Australien, Amerika, Mexiko oder Südafrika. Später. Später lebe ich…..Kaufe mir dann ein Wohnmobil und bin dann flexibel. Immer dieses SPÄTER!

Glück findet doch im Moment statt. Und nicht etwa später.

Mein Lieblingsspruch zum Thema Glück ist momentan der von Hermann Scherer:

„Wer sein Glück finden will, muss sich selbst finden“ Kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Findest Du nicht auch?

Wir müssen uns also selbst finden. Unsere ureigenen Bedürfnisse erkennen und leben. Ja, leben. Denn Leben findet auch im Moment statt und nicht später.

Und dann…..Dann kann es ruhig werden um uns. Um Dich und mich. Dann hast Du die Chance Höchstleistungen zu vollbringen und dabei Leistungsglück zu empfinden.

Genieße also jeden noch so kleinen Augenblick. Schalte einen Gang runter und atme. Denn, so lange du atmest,  in an Dir mehr gesund als krank. (John Kabat Zinn)

Über Madeleine (Autorin)

4 Kommentare

  1. Antworten

    Sven Chr.

    / 7. Juni 2015 at 11:16:am

    Respekt. Schön geschrieben. Aber einfacher gesagt als getan.

    • Antworten

      Madeleine Höner

      / 7. Juni 2015 at 11:37:am

      Danke. Und ja es stimmt. Es ist einfacher gesagt als getan. Dennoch sollten wir immer wieder einmal die Überholspur verlassen. Und wenn es nur für einen Augenblick ist.

  2. Antworten

    nele

    / 8. Juni 2015 at 10:57:am

    Toll,, Madeleine! Schöne, wichtige & weise Worte… Großartig! Viel Freude & Leistungsglück (tolles Wort!) mit dem Blog-Projekt wünscht dir Nele

  3. Antworten

    Liyang

    / 31. Mai 2017 at 09:17:am

    Hallo Madelaine,
    Sehr schön geschrieben! Es macht mir immer wieder Freude, zu sehen, dass auch andere ihren Weg aus dem Leistungsdruck geschafft haben!
    Ich bin in zwei leistungsorientierten Ländern aufgewachsen. In China wurden wir in der Schule gedrillt, in Deutschland machte ich mein Turbo-Abi. Da vergisst man schnell einmal, wie es eigentlich ist, mal die Zeit hier und jetzt zu genießen und verlernt, wirklich zu leben…Wir leben nur noch, um zu arbeiten. Wir wollen immer mehr, immer besser, immer schneller. Aber wofür arbeiten wir überhaupt? Das scheint ganz vergessen zu werden. Wenn du Lust hast, ließ doch mal, wie ich es aus der Spirale des Leistungsdrucks entkommen bin: https://nightthinkersdiary.wordpress.com/2017/05/30/sind-wir-am-leben/

    Bis dahin,
    Liebste Grüße aus der Provence!
    Liyang

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